Hallo Gerhard,
Gleich mal vorweg, ich bin gerade noch am Lernen, aber für mich war von anfang an klar, dass nur die große Lizenz in Frage kommt. Erstens Ehrgeiz, zweitens der Anspruch, das geforderte Wissen auch wirklich zu haben. Passenderweise entwickle ich jetzt auch beruflich elektronische Schaltungen, es greift also alles schön ineinander.
Du scheinst dich sehr unwohl zu fühlen damit, dass heute die Prüfung einfacher ist als früher (was ich dir ohne weiteres glaube) und bringst das auch ziemlich direkt zum Ausdruck. Ich kanns sogar verstehen. Im Zusammenhang mit der Jugendarbeit steht sowas einem aber schnell im Weg. Wenn man (überspitzt ausgedrückt) sagt: "Reisst euch zusammen, ihr seid nur zu faul, früher war das noch viel schwieriger!" wird man noch nicht mal jene motivieren, die eigentlich schon Feuer und Flamme für den Amateurfunk sind.
Ein Beispiel aus dem Feld Elektronik: In meinem Hackerspace haben wir für eine Messe im letzten Herbst einen Snake-Bausatz entwickelt. Der musste von den interessierten Messebesuchern "nur" zusammengelötet werden und hat dann schon funktioniert. Sehr einfach zu machen, aber das ist ein Einstieg und man merkt, ob einem sowas Spass macht oder nicht. Die meisten hatten davor noch nichtmal gelötet, aber hinterher hatten sie was selbstgebautes mit dem sie wirklich was anfangen konnten. Der eine oder andere hat sich dann auch weiter für Microcontroller interessiert und etliche Leute sind von der Messe aus direkt ins Vereinsheim gefahren, um dort weiterzubasteln -> Mission erfolgreich. (Und nein, es braucht keine 3D-Grafik für Spielspass, das verstehen auch WoW-gewöhnte Jugendliche.)
Wenn man erreichen will, dass wieder mehr Funkbetrieb stattfindet und sich mehr Menschen mit dem Thema Amateurfunk befassen, muss man ihnen einen Einstieg in das Thema ermöglichen. Das funktioniert am einfachsten mit einer überschaubaren, funktionierenden Anwendung. Eine Fuchsjagd mit Ausbildungskennzeichen finde ich da schon ziemlich naheliegend. Wem sowas Spaß macht, den kann man auch motivieren, wenigstens für Klasse E zu lernen.
Ich nostalgiere auch gerne mal in einem anderen Bereich (Software-Entwicklung und alte Computer) und hab dann und wann darüber geätzt, wie mies doch diverse Handy-Spiele sind, die trotz >400 Mhz-CPU auf dem winzigen Display ruckeln, wobei das mein Schneider von 1985 schon ruckelfrei hinbekam. Manche Dinge sind heute tatsächlich einfacher, aber um wirklich gut zu sein, muss man sich viel und lange mit etwas beschäftigen. Wenn man heute Jugendliche für den Amateurfunk begeistern kann, wird man sie in ein paar Jahren vielleicht als erfahrene Peiler oder ausgefuchste Peilsenderbastler wiedertreffen.
Zuguterletzt: Ich hab auch erst den Drang gehabt, die Prüfung zu machen, als zwei weitere Leute aus meinem Hackerspace gesagt haben, dass sie das auch machen wollen. Einer ist recht früh ausgestiegen, weil er zu viel auf einmal gemacht hat, dafür ist jemand anderes dazugestoßen und wir sind (wieder) zu dritt. Am kommenden langen Wochenende werden wir gezielt Prüfungsfragen lernen und nochmal die Grundlagen durchpauken. Würde uns immer wieder jemand sagen, dass wir nur zu faul sind, hätten wir's sicher drangegeben.
MfG,
Sascha.